Wie sicher sind Bankschließfächer heute?
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Immer wieder werden Schließfächer bei Banküberfällen ausgeraubt
Wer heutzutage ein Schließfach mietet, sucht Sicherheit für seine Vermögenswerte oder wichtige Dokumente. Zwar gibt es auch Möbel- oder Wandsafes für die eigenen vier Wände, doch erweisen sich diese Heimsysteme häufig als unzureichend oder können aus verschiedenen Gründen nicht installiert werden. Was liegt also näher, als ein Bankschließfach zu mieten? Die Kundensafes zeichnen sich in erster Linie durch die geografische Nähe oder ihre schnelle Erreichbarkeit aus. Zudem befinden sich die Schließfächer in den Tresorräumen von Banken und Sparkassen und vermitteln durch ihre eindrucksvolle Optik viel Sicherheit. Doch wie ist es tatsächlich um die physische Sicherheit von Bankschließfächern bestellt? Sind die Anlagen noch zeitgemäß und halten, was sie versprechen? Seit Jahren häufen sich Medienberichte aus Deutschland über Bankeinbrüche mit Plünderungen der Schließfächer. Was sind die Gründe?
Inhaltsübersicht, direkt zum Thema:
- Bankschließfächer damals und heute
- Die Raubüberfälle auf Bankschließfächer häufen sich, Beispiele
- Vollautomatische Schließfachanlagen als bevorzugtes Ziel
- Die Digitalisierung führt zu weiteren Sicherheitsrisiken
- Die Alternative zu volldigitalen Schließfächern
- Raubüberfälle auf Bankschließfächer im Überblick
Bankschließfächer damals und heute
Bankschließfächer gibt es bereits seit der Einführung von Banken als Institutionen. In Deutschland wurde die erste Notenbank 1785 mit der Königlichen Bank in Berlin eingeführt. Es ist davon auszugehen, dass bereits diese Vorläufer unserer heutigen Geldinstitute über Tresore verfügten, um Bargeld, Gold und andere Wertsachen sicher aufzubewahren.
Historiker gehen davon aus, dass die Verwendung von Schließfächern für Kunden in Banken etwa im 19. und 20. Jahrhundert landläufig wurde. Für die Banken bedeutete dies über viele Jahrzehnte ein lukratives Zusatzgeschäft und ein gern genutzter Service zur Kundenbindung. Bankkunden nutzten die Schließfächer, um Schmuck, Edelmetalle, Wertpapiere oder wichtige Dokumente sicher aufzubewahren. Doch in unserer modernen Zeit hat sich das Kerngeschäft der Banken verlagert. Stand bis vor einigen Jahren noch die Verwaltung von Lohn- und Gehaltskonten sowie die Verwahrung von Vermögenswerten im Fokus, ist es heute eher die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen. Es geht vornehmlich um die Abwicklung von Einlagen und Krediten, Hypotheken sowie um Vermögensverwaltung und Anlageberatung.
In diesem Zuge ist die Vermietung von Schließfächern an Kunden zur Nebensache geworden. Hinzu kommt der Umstand, dass dringend erforderliche Modernisierungen der Sicherheitssysteme auf neue Standards vielfach aus Kostengründen entfallen. So kommt es, dass die Schließfachanlagen vielfach veraltet sind und damit ein vergleichbar leichtes Spiel für die gut ausgerüsteten Safeknacker von heute darstellen.
Gleichzeitig kommt der Versicherungsschutz oft zu kurz. Viele Banken bieten ihren Kunden nur eine Basisversicherung für das gemietete Schließfach an, die meist nicht dem Wert des Inhalts entspricht oder nicht alle Schäden abdeckt. Im Schadenfall wird somit nur ein Teil der hinterlegten Sachwerte ersetzt. Wer eine Vollversicherung bevorzugt, muss diese eigenhändig abschließen.
Die Raubüberfälle auf Bankschließfächer häufen sich
Zunehmend stehen Banken und Sparkassen im Fokus räuberischer Banden. Sie nutzen insbesondere veraltete Sicherheitssysteme aus, um sich Zugang zu Geldautomaten und Schließfachtresoren zu verschaffen. Dabei wenden die Einbrecher oft ungewöhnliche Methoden an, um möglichst schnell oder unbemerkt an ihre Ziele zu gelangen. Zudem sind sie gut ausgerüstet, rücken teilweise mit schweren Geräten an, um die mechanischen Sperren zu überwinden. Überwachungssysteme werden trickreich umgangen. Auf diese Weise entstehen Jahr für Jahr Schäden in Millionenhöhe. Nicht selten müssen Kunden dabei Verluste in Kauf nehmen.
In den Medien häufen sich die Berichte über Plünderungen von Bankschließfächern. Dabei sind die gut organisierten Einbrecher in ganz Deutschland unterwegs, wie die nachfolgenden Beispiele belegen.
Raub in Berlin-Zehlendorf von 1995 mit Geiselnahme und Lösegeld
Auch nach rund 30 Jahren beschäftigt der raffinierte Einbruch in eine Commerzbank-Filiale im Berliner Stadtteil Zehlendorf die Behörden. Beteiligt waren sechs schwer bewaffnete Kriminelle, die im Juli 1995 insgesamt 16 Geiseln nahmen und fünf Millionen D-Mark (deutsche Währung bis 2001) erpressten. Mit einer großen Mannschaft hatte die Berliner Polizei das Bankgebäude weiträumig eingekesselt, niemand konnte ungesehen aus dem Viertel entkommen. Doch als die Beamten die Bank schließlich stürmten, hatten die Einbrecher das Gebäude längst verlassen. Zusammen mit dem Lösegeld sowie Schmuck, Gold und Bargeld aus 200 aufgebrochenen Schließfächern: Gesamtwert etwa 16,3 Millionen D-Mark. Die Geiseln blieben unversehrt zurück.
Der geniale Coup war von langer Hand vorbereitet gewesen. Unter Einbeziehung eines Abwasserkanals hatten die Gangster zuvor heimlich über Monate einen Fluchttunnel von über 70 Metern Länge in den Untergrund gegraben, der bis zu einer Garage führte. Von dort aus wurde das Erdreich nach und nach auf umliegende Friedhöfe verbracht. Am Tattag musste das Sextett dann nur noch ein Loch in den Kellerboden schlagen, um in den engen Tunnel zu gelangen. Zurückgelassene Skateboards gaben einen Hinweis darauf, wie die dreisten Einbrecher ihre Beute abtransportiert hatten. Zwar wurden sie bereits wenige Wochen später gefasst, doch das Bargeld und die Wertsachen blieben bis heute verschwunden.
Raub in Berlin-Steglitz: 300 Schließfächer und mehr als 10 Millionen Euro Beute
Ein Tunnel spielt auch im nächsten Beispiel von 2013 in Berlin-Steglitz eine entscheidende Rolle. Die Täter hatten es auf den unterirdischen Tresorraum einer Volksbank auf der Schlossstraße, im Einkaufsviertel im Berliner Westen abgesehen. Sie gruben einen 45 Meter langen Tunnel und bewegten dabei etwa 120 Tonnen Sand. Er führte direkt in einen abgeschirmten Bereich einer Tiefgarage. Von dort aus hatten die Einbrecher eine Röhre in Schmetterlingsform gegraben und mit Holzbalken gesichert. An einem Wochenende durchbrachen sie schließlich unbemerkt von den Bewegungsmeldern die 80 Zentimeter dicke Stahlbetonwand, die in den Tresorraum der Bank führte. Dort knackten sie mehr als 300 Kundenschließfächer auf und erbeuteten Schmuck, Gold und Erbstücke im Wert von rund 10 Millionen Euro. Die meisten Kunden der Volksbank hatten keine Schließfachversicherung und verloren einen Großteil ihrer Altersvorsorge. Von den Tätern und der Beute fehlt bis heute jede Spur.
Bankraub Norderstedt: Kunden wurden mit nur 40.000 Euro entschädigt
Nach dem Raubüberfall in die Sparkassenfiliale Norderstedt beschäftigte sich das Hamburger Oberlandesgericht mit der Frage, ob das Gebäude ausreichend gegen Bankraub gesichert war. Hier hatten zwölf Geschädigte gegen die Bank geklagt, nachdem Einbrecher bei einem Überfall im August 2021 Vermögenswerte in einem zweistelligen Millionenbetrag erbeuteten. Als Entschädigung hatten die Kunden nur jeweils 40.000 Euro aus der Einlagensicherung erhalten. Was war geschehen? Mit einem Kernbohrer hatten sich unbekannte Täter aus der Etage über der Bank Zugang zum Tresorraum verschafft. Dort brachen sie rund 650 Schließfächer auf. Durch ein Gutachten wurden erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt. So sollte ein einzelner Bewegungsmelder ohne zeitgemäße Sensor- und Videotechnik und ohne Aufschaltung zu Sicherheitszentralen den Tresorraum sichern. Das Verfahren gegen die Bank dauert an, doch bis heute warten die Kunden der Schließfächer auf eine angemessene Entschädigung.
In München plündern Räuber ein Bankschließfach und erbeuten 4,62 Millionen Euro
Als ebenso dreist wie spektakulär lässt sich der Schließfachdiebstahl in einer Commerzbank-Filiale in der Münchner Altstadt im Frühjahr 2018 einordnen. Dort hatte eine besonders wohlhabende Kundin mehrere Schließfächer für ihre insgesamt 32 Millionen Euro eröffnet. Diese waren in Bündeln mit 200- und 500-Euroscheinen zusammengefasst. Etwa ein Jahr später hatten Diebe eines der Schließfächer aufgebrochen und 4,62 Millionen Euro entwendet. Den Coup hatten Überwachungskameras aufgezeichnet. Diese zeigten, wie zwei vermummte Männer den Tresorraum über eine Zugangskarte betreten und die Bank später wieder mit Koffern verließen. Unter Verdacht wurde eine Bankmitarbeiterin gestellt, die den Einbrechern möglicherweise entscheidende Informationen gegeben haben könnte. Darunter, wie man am besten in die Bank kommt und um welches Schließfach es sich handelt. Doch es fehlen bislang die Beweise gegen sie.
Bankschließfächer in Lübeck aufgebrochen mit 18 Millionen Euro Schaden
Die Deutsche Bank in Lübeck unterhält einen der größten Tresorräume in Deutschland mit über 2.500 Schließfächern. Kurz vor Weihnachten 2024 brachen unbekannte Täter rund 300 Schließfächer auf und erbeuteten Schmuck, Bargeld und andere Wertgegenstände in einem Gesamtwert von 18 Millionen Euro. Laut Überwachungskameras soll es sich bei den Einbrechern um vier Männer handeln, die mit langen Mänteln und Kopfbedeckungen bekleidet waren. Vermutlich wurden Reisekoffer zum Abtransport der Beute genutzt. Während die Lübecker Polizei nach den Tätern fahndet, hat die Deutsche Bank den betroffenen Kunden eine Entschädigung zugesagt. In welcher Höhe diese ausfallen soll, ist nicht bekannt.
Vollautomatische Schließfachanlagen als bevorzugtes Ziel
Während klassische Tresorräume von Banken häufig das Ziel von Einbrechern und kriminellen Banden sind, geraten auch vollautomatische Schließfachanlagen mehr und mehr in den Fokus der Räuber. So wurden etwa im April 2022 mehrere Schließfächer der Sparda-Bank in Saarbrücken ausgeraubt. Dabei handelte es sich um eine Schließfachanlage, die über eine spezielle Chipkarte sowie eine Persönliche Identifikationsnummer (PIN) gesichert ist. Die Schließfachkassetten werden vollautomatisch vom Tresor in eine Sicherheitskabine transportiert, zu welcher der jeweilige Kunde Zutritt hat. Der Raub wies Parallelen zu einem ähnlichen Vorfall in Mainz auf.
Bei diesen vollautomatischen Schließfachanlagen sind die Abläufe nahezu vollständig digitalisiert. Sie werden von Robotern bedient, sodass abgesehen von Sicherheitskräften kein Personal erforderlich ist. Bereits die Eröffnung eines automatischen Schließfachs erfolgt in vielen Fällen digital per Online-Registrierung über die Webseite oder App des Anbieters. Die Chipkarte kommt per Post und kann sofort eingesetzt werden. Geeignet sind die Schließfächer für Wertsachen aller Art, wie Edelmetalle, Schmuck, Wertpapiere, Bargeld, Krypto-Wallets oder wichtige Dokumente.
Der Vorteil von vollautomatischen Schließfachsystemen liegt in der Verfügbarkeit. In den meisten Fällen haben Kunden rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche (24/7) Zugang zu ihren Schließfächern. Damit entfallen die Zugangsbeschränkungen zu den klassischen Öffnungszeiten der Bank oder das Vereinbaren von Besuchsterminen.
Durch verschiedene Autorisierungsprozesse sollen die Anlagen einen hohen Sicherheitsstandard bieten. So müssen Kunden, die an den Inhalt ihres Schließfachs gelangen möchten, mehrfach die Chipkarte und ihren persönlichen PIN einsetzen. Je nach Anlage erfolgt zusätzlich ein Abgleich mithilfe eines Fingerabdruck-Scanners.
Was auf den ersten Blick wie ein durchdachtes und sehr sicheres Zugangsprinzip wirkt, birgt aufgrund der digitalen Anwendungen jedoch gleichermaßen Risiken, wie der nächste Abschnitt darlegt.
Die Digitalisierung führt zu weiteren Sicherheitsrisiken
Damit ein automatisierter Zugang zu den Kundenschließfächern so sicher und reibungslos wie möglich erfolgen kann, werden fortschrittliche Kontroll- und Zugangssysteme benötigt. Diese werden typischerweise von hierfür spezialisierten Sicherheitsunternehmen nach modernen Standards entwickelt. Vielfach bieten diese Unternehmen auch die Organisation und Verwaltung der Kundendaten an. Zu diesem Zweck werden die Zugangsdaten der Kunden auf dezentralen Sicherheitsservern gespeichert. Doch genau hierin liegt die Anfälligkeit im System, quasi das Schlupfloch für Hackerangriffe.
Was wie der fiktive Stoff für einen Cyber-Thriller klingt, hat sich tatsächlich bereits zugetragen. So hackten sich Unbekannte in die Sicherheitsserver eines nordeuropäischen Unternehmens, das Zugangs- und Kontrollsysteme für Flughäfen, Atomkraftwerke oder Banken entwickelt. Die Hacker kopierten knapp 40.000 Kundendaten, darunter auch Pläne und Zugangsdaten der Tresorräume von zwei deutschen Bankhäusern, die anschließend zum Kauf im Darknet angeboten wurden. Per Ransomware sperrten sie zudem die internen Zugriffe auf die Daten und verschlüsselten diese. Für die Entschlüsselung forderten die Kriminellen ein Lösegeld in Kryptowährungen.
Mithilfe von simulierten Chip-Karten und heruntergeladenen PIN-Codes können sich Kriminelle also im Worst-Case-Szenario vergleichsweise einfach den Zugang zu vollautomatischen Schließfachanlagen verschaffen. In aller Seelenruhe können sie anschließend die Schließfächer leeren, ohne diese zuvor aufzubrechen und das Gebäude mit reicher Beute unbehelligt wieder verlassen. Und zum Auskundschaften der Sicherheitsvorkehrungen reicht es aus, zuvor eigenhändig ein Schließfach zu eröffnen.
Die Alternative zu volldigitalen Schließfächern
Wem die vollautomatische Variante ein zu großes Sicherheitsrisiko darstellt, nutzt alternativ die bewährte Sicherheitstechnik mit Schließfächern ohne Automatismus. Diese werden zum Beispiel von Swiss Gold Safe AG in der Schweiz und in Liechtenstein angeboten. Das privat geführte Lagerunternehmen stellt bankenunabhängige Schließfächer für Kunden aus aller Welt zur Verfügung, die sich in modernen Hochsicherheitsanlagen befinden. In den Schließfächern lassen sich alle Arten von Vermögenswerten unterbringen, wie Edelmetalle, Schmuck, Bargeld oder Wertpapiere. Der Inhalt kann vollversichert werden.
Raubüberfälle auf Bankschließfächer im Überblick
- Bankschließfächer werden vielfach aufgrund der geografischen Nähe und guten Erreichbarkeit von Kunden als Möglichkeit bevorzugt, Vermögenswerte zu lagern.
- Während die Vermietung von Schließfächern früher zum Kerngeschäft der Banken zählte, stehen heute eher Finanzprodukte im Fokus. Dadurch sind die Sicherheitsvorkehrungen oft nicht mehr zeitgemäß.
- Vielfach nutzen heutzutage kriminelle Einzeltäter und Banden die Sicherheitslücken in Bankgebäuden aus, um einzubrechen. Ihr Ziel sind die Tresorräume und die darin befindlichen Kundenschließfächer.
- Bei ihren Raubüberfällen gehen die Täter vielfach trickreich und mit schwerem Gerät vor, wie Medienberichte aus ganz Deutschland belegen.
- Auch vollautomatische Schließfachanlagen geraten mehr und mehr in den Fokus von Schließfach-Plünderungen. Dabei machen sich die Diebe die Tücken der Automatisierung zunutze.
- Als Alternative gelten privat geführte Schließfachanlagen, die von Wachpersonal betreut werden und ohne automatisierte Schliessfachsysteme funktionieren.
- Die Swiss Gold Safe AG bietet Sicherheitsschließfächer inklusive Zutrittskontrolle durch Wachpersonal (keine automatische Anlage mit IT-Risiken) an.
Veröffentlicht: 15. Juli 2025
Aktualisiert: 15. Juli 2025
Letzte Überprüfung des Artikels, um seine Richtigkeit und Relevanz zu gewährleisten: 11. Januar 2026